Recyclingplatten aus Kunststoff – Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten
Was sind Recyclingplatten aus Kunststoff überhaupt? Als Recyclingplatten aus Kunststoff bezeichnet man Kunststoffplatten, die aus Kunststoffabfällen und -resten bestehen. Sie werden fachlich als Regenerate bezeichnet. Da sich unterschiedliche Kunststoffe meist nicht vertragen und sich in der Schmelze entmischen, müssen die Kunststoffe sortiert werden. Die gesammelten Kunststoffe werden anschließend fein gemahlen und zu neuen Kunststoffplatten extrudiert. Dabei ist die Qualität der produzierten Platten von der Qualität und Reinheit der verwendeten Kunststoffreste abhängig.
Wofür werden die Platten genutzt?
Die meisten Platten lassen sich einfach mit einer Kreissäge zuschneiden und ablängen. Das Recyclingmaterial ist leicht zu bearbeiten und eignet sich daher hervorragend für den Bau individueller Konstruktionen. Auch beispielsweise in der Landwirtschaft zum Abtrennen von Boxen werden sie genutzt. Innerhalb des Naturschutzes gewinnt der Schutz von Amphibien wie Molchen, Fröschen und Kröten, die während ihrer Wanderung Straßen überqueren, an Bedeutung. Für den Aufbau solcher Schutzanlagen eignen sich Vielzweckplatten aus Recyclingkunststoff, die für Einsätze in feuchten Gebieten geeignet sind.
Typische Anwendungen im Außen- und Innenbereich sind Trenn-, Boxen- und Frontwände. Auch für Führanlagen und Ausläufe sind Recyclingplatten geeignet. Als Türfutter finden sie ebenfalls Verwendung. Darüber hinaus werden die Platten auch als Uferbefestigung eingesetzt, da sie wartungsarm und wasserbeständig sind.
Farbe der Regenerate
Da die Kunststoffreste und -abfälle in verschiedenen Farben vorliegen und sich die jeweiligen Farben und Farbmengen immer unterscheiden, werden Recyclingplatten grundsätzlich in Farbstufen von Schwarz bis Anthrazit hergestellt. Durch einen Rußanteil von etwa 2 bis 4 Prozent wird diese Pigmentierung der Platten erreicht. Daher kann seitens der Hersteller in der Regel keine Garantie für eine vollständig gleichbleibende Farbe gegeben werden.
Oberfläche der Platten
Da nicht immer zu 100 Prozent vermieden werden kann, dass Kunststoffabfälle absolut sortenrein gesammelt werden, können Fremdstoffe in das Material gelangen. Diese wären bei einer glatten Oberfläche deutlich sichtbar, weshalb Recyclingplatten nur selten mit vollständig glatter Oberfläche extrudiert werden. In vielen Fällen werden sie mit einer genarbten Oberfläche hergestellt.
Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Coextrusion von recyceltem Material. Dabei besteht der Kern der Kunststoffplatte aus Recyclingmaterial, während die Oberfläche mit einer dünnen Schicht aus Neumaterial versehen wird.
Warum Kunststoffplatten von Vorteil sind
Recyclingplatten aus Kunststoff können gegenüber Materialien wie Holz, Stahl, Edelstahl, Kunststoff-Neuware oder Beton je nach Einsatzzweck verschiedene Vorteile bieten. Dazu zählen unter anderem ein vergleichsweise geringes Gewicht, eine einfache Bearbeitung, eine hohe Widerstandsfähigkeit und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zusätzlich lassen sich die Platten einfach reinigen.
Der Werkstoff kann vielseitig eingesetzt werden. Die Platten sind elektrisch nicht leitend, druckfest und splitterfrei. Je nach Materialzusammensetzung weisen sie zudem eine gute Beständigkeit gegenüber Ölen, Laugen, Säuren und Seewasser auf. Regenerate besitzen außerdem eine hohe Bruchsicherheit.
Darüber hinaus weisen die Platten eine geringe Wärmeleitfähigkeit auf und können dadurch eine isolierende Wirkung besitzen. Viele Recyclingkunststoffe sind zudem unempfindlich gegenüber Mikroorganismen. Durch die durchgefärbte Materialstruktur und den enthaltenen Rußanteil können schwarze und anthrazitfarbene Recyclingplatten zudem eine gute Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung aufweisen.
Nachteile von recycelten Kunststoffplatten
Trotz der vielen Vorteile von Recyclingplatten müssen auch mögliche Einschränkungen berücksichtigt werden. Dazu zählen beispielsweise Anforderungen an die Oberflächenbeschaffenheit, Farbe und Farbkonstanz. Durch die Verwendung unterschiedlicher Recyclingchargen können optische Abweichungen auftreten.
Auch Anforderungen an bestimmte Konformitäten oder exakt definierte technische Eigenschaften können die Verwendung von Recyclingmaterial einschränken. Insbesondere bei Anwendungen, bei denen bestimmte mechanische, chemische oder optische Eigenschaften dauerhaft und innerhalb enger Toleranzen eingehalten werden müssen, kann Kunststoff-Neumaterial die geeignetere Wahl sein.
Nutzbarkeit von Recyclingplatten
Kunststoffplatten aus recyceltem Material können für viele Anwendungen eine Alternative zu Kunststoffplatten aus Neumaterial darstellen.
Nach einer 2017 in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlichten Studie von Roland Geyer, Jenna R. Jambeck und Kara Lavender Law wurden zwischen 1950 und 2015 weltweit rund 8,3 Milliarden Tonnen Primärkunststoffe hergestellt. Bis 2015 waren daraus nach Schätzung der Autoren etwa 6,3 Milliarden Tonnen Kunststoffabfall entstanden. Davon wurden rund 9 Prozent recycelt, 12 Prozent verbrannt und etwa 79 Prozent auf Deponien abgelagert oder in der natürlichen Umwelt angesammelt. Quelle: Geyer, Jambeck & Law (2017), Production, use, and fate of all plastics ever made, Science Advances.
Wegen der großen Abfallmengen und des überwiegenden Einsatzes fossiler Rohstoffe bei der Kunststoffherstellung steht der Werkstoff Kunststoff zunehmend im Fokus von Recycling- und Kreislaufwirtschaftskonzepten.
Recyclingplatten bestehen aus aufbereiteten Kunststoffresten, die erneut verarbeitet werden. Dadurch kann der Einsatz von Kunststoff-Neumaterial reduziert werden, weil aufbereitete Sekundärrohstoffe erneut verwendet werden. Die Kunststoffreste werden damit einer erneuten stofflichen Nutzung zugeführt, anstatt unmittelbar als Abfall entsorgt zu werden.
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Als Fazit lässt sich sagen, dass Kunststoffplatten aus recyceltem Material aufgrund der Wiederverwendung von Kunststoffresten für zahlreiche Anwendungen eine Alternative zu Platten aus Neuware darstellen.